Kurzzeitblitztechnik (1) mit spiegellosen EOS-R Kameras

Vögel im Flug mit Hilfe von Lichtschranke und Kurzzeitblitztechnik zu fotografieren ist gar nicht so einfach. Es gehören einige Überlegungen dazu dass ein Vogel eine bestimmte Stelle anfliegt oder in eine Richtung fliegt wo er die Lichtschranke durchqueren muss. Es ist ein großer technischer Aufwand der nicht immer die Ergebnisse bringt die erwartet werden. Ich gehe in diesem Beitrag nur auf die Fotografie von Vögeln ein. Insekten und Säugetiere werden nicht berücksichtigt. Hier sind andere Maßstäbe anzulegen.
Wer meine Seiten kennt und sich für die Kurzzeitblitztechnik interessiert hat bestimmt schon meine Beiträge zum Thema gelesen. Unter den Links: Kurzzeit-Blitzfotografie oder Lichtschranke im Einsatz habe ich das Thema etwas beschrieben. Bilder dazu gibt es auch unter Flugaufnahmen.
Da ich alle Bilder in meinen seitherigen Beiträgen mit APS-C Kameras (50D, 7D, 7DMII) gemacht habe, hatte ich wenig Erfahrung mit dem Vollformat. Ideal für diese Zwecke ist natürlich eine Vollformatkamera mit 45-50 Mp (seither D5SR, jetzt R5) da diese viel mehr Reserve hat um Ausschnitte aus dem Bild zu schneiden.
Mit den neuen spiegellosen R-Kameras bekam ich Lust auf Vollformat. Um es einmal zu testen kaufte ich mir die EOS RP als Einsteigermodell. Die ersten Bilder mit meinen EF Objektiven überzeugten mich sofort von der Qualität des Sensors und von der Möglichkeit mit hohen ISO Einstellungen zu arbeiten. Es wurden immer mehr Bilder im Vollformat gemacht und das APS-C Format nur noch eingesetzt wenn die Entfernung zum Motiv etwas größer war. Es folgte dann kurz darauf die R6 und nun auch die R5. Mit der R6 konnte ich verschiedene Aufnahmen von Vögeln im Flug machen, ohne Blitz, mit dem elektronischen Verschluss und 20 Bilder/s (einige Beispiele). Mit dem elektronischen Verschluss sind aber keine Blitzaufnahmen möglich. Nur in der Kombination Elek.1.Verschluss löst der 1. Verschluss elektronisch aus und mechanisch wird der zweite Verschluss ausgelöst. In dieser Einstellung sind Blitzaufnahmen möglich, doch das zeige ich auf der Seite 2 meines Beitrags zur Kurzzeitblitztechnik.
Leider war es in den vergangenen Wochen, aus Mangel an Motiven, nicht möglich die Kameras mit der Kurzzeitblitztechnik zu testen. Erst in den letzten Tagen war es soweit.
An einer Fütterung konnte ich die ersten Tests durchführen. Vor allem die R5 interessierte mich, da die 45 Mp gute Möglickeiten bieten einen Ausschnitt zu machen und trotzdem noch viel Bild zu haben. Da Flugaufnahmen, auch mit der Lichtschranke, sich ganz selten im foramtfüllendem Bereich bewegen, bleibt immer ein mehr oder weniger großer Bildausschnitt übrig, den man entsprechend verändern und das Motiv passend ins Bild setzen kann. Beim APS-C Format spielte sich das in einem Bereich von ca. 3000 Pixel auf der langen Seite ab, so dass es ein Bild ergibt mit 6 Mp. Diese Aussschnitte und die Bildgröße decken schon eine große Verwendbarkeit ab. Ausdrucke bis 40×60 cm sind kein Problem und für die Internetpräsentation reicht es allemal.
Bei den ersten Bildern mit der R5 bleiben nun doch zwischen 4000 und 6000 Pixel auf der langen Seite übrig was rechnerisch eine Bildgröße von 11-24 Mp ergibt. Dadurch sind noch größere Ausdrucke möglich.
In der unten gezeigten Bildergalerie sind die ersten Testaufnahmen mit der R5 zu sehen. Es ist noch nicht dass was ich anstrebe, doch die Neugier war doch zu groß wieviel Bild nach dem Ausschnitt übrig bleibt. Der Hintergrund ist ein natürlicher in einer Entfernung von ca. 6 Metern.
Die technischen Daten sind folgende: EOS R5, EF 2,8/100 mm Makro, Bl. 11, 1/200s, ISO 800, 2 Blitze, Lichtschranke, belichtet auf den zweiten Verschlussvorhang, allerdings mit dem mechanischen Verschluss.

Als Nachteil für die Kurzzeitblitztechnik ist die realtiv lange Verschlusszeit von 1/200s. Schon beim APS-C Format war die 1/250s grenzwertig, da bei gutem Wetter der Hintergrund immer mit belichtet wird und für Doppelkonturen und Wischer sorgt. Für Aufnahmen mit der Kurzzeitblitztechnik warte ich meistens immer ein stark bewölktes Wetter ab, oder im Schatten eines Hauses oder Waldes, wo es nicht ganz so hell ist. Nachtaufnahmen sind dabei natürlich kein Problem.
Die Verwendung von Hintergrundbildern ist eine Möglichkeit um den Hintergrund, wie auf den oben gezeigten Bildern, nicht absaufen zu lassen. Dazu habe ich auch einen Beitrag geschrieben.

Der wichtigste Aspekt bei der Kurzzeitblitztechnik  ist die Verzögerungszeit vom Durchfliegen der Lichtschranke bis zum Auslösen der Kamera. Dazu hat eltima-electronic eine Tabelle für viele Kameras erstellt in welcher die Verzögerungszeiten der einzelnen Kameras gemessen wurden. Die Verzögerungszeiten beziehen sich auf die Lichtschranke Jokie2. Diese Werte sind gemessene Werte mit dem Joker2 mit dem das möglich ist. In den Jokie2 wurde mit einer Softwareaktualisierung eine geniale Funktion eingebaut, den keep-active-modus. Diese Funktion verhindert dass die Kamera einschläft und in den Ruhezstand geht. Das ist ein enormer Gewinn zur Reduzierung der Verzögerungszeit.
Diese Funktion ist im Jokie2 ab 2018 eingebaut. Ältere Jokie2 können auf diese Funktion aktualisiert werden. Dazu einfach Kontakt mit eltima-electronic aufnehmen.

Wenn am Jokie2 der keep-active-modus eingeschaltet und die Lichtschranke mit der Kamera verbunden ist, ist es nicht möglich eine Aufnahme am Display anzusehen oder Einstellwerte zu verändern, da die Kamera durch den Modus ja dauernd eingeschaltet ist. Da muss die Verbindung Lichtschranke-Kamera kurz unterbrochen werden indem man den Stecker der Fernauslösung kurz herauszieht. Dies ist auch bei den Spiegelreflexkameras so.

Da aber in der Tabelle von eltima-electronic z.B. für die EOS 7D Mark II mit 55,15 ms Verzögerungszeit mit keep-active-modus und ohne keep-active-modus mit 187,19 ms angegeben wird, kann man sich nicht vorstellen wieviel Zentimeter das in der Realität entspricht. Daher habe ich Testreihen gemacht um diesen Wert in Zentimetern zu sehen.
So gut wie keine Verzögerungszeit haben elektronische Zentralverschlussobjektive, die an einer digitalen Kamera adaptiert sind. Doch diese sind selten und dazu noch zu hohen Preisen auf dem Markt. Zudem braucht man dazu eine passende Steuerung. Ein elektronischer Verschluss von Rollei ist eine weitere Möglichkeit um die Verzögerungszeit fast auf Null zu reduzieren. Dieser wird zwischen Kamera und Objektiv eingebaut und hat als schnellste Verschluss-/Blitzsynchronisationszeit eine 1/1000s. Da spielt dann das Umgebungslicht keine große Rolle mehr. Einige Spezialisten die sich intensiv mit der Kurzzeitblitztechnik beschäftigen verwenden diese Objektive oder den Verschluss. Hans-Christian Steeg ist einer der Fotografen der sich mit der Kurzzeitblitztechnik intensiv auseinander setzt. Er hat eine Seite über dieses Thema im Internet und dazu ein Buch veröffentlicht. Da gibt er viele Tipps und Tricks zum besten.

Ich habe verschiedene EOS-Kameras unter Verwendung der Lichtschranke Jokie2 auf die Verzögerungszeiten getestet. Das ist ein absolut subjektiver Test und gibt meine eigenen Erkenntnisse zum besten. Die Testergebnisse sind auf den nächsten Seiten zu sehen.

Mein Testaufbau

Kurzzeitblitztechnik mit der EOS R5

Kurzzeitblitztechnik mit der EOS R5

Ein kleiner Eisvogel aus Pappe gleitet an einer Schnur 80 cm von der oberen linken Ecke zur rechten unteren Ecke. Für die Strecke braucht der Dummy ca. 0,5 Sekunden. Das entspricht einer Geschwindigkeit von ca. 6 km/h. Am Meterstab kann abgelesen werden wieviel Weg der Dummy vom auslösen der Lichtschranke bis zur Aufnahme zurükgelegt hat. Wenn man davon ausgeht dass eine Amsel ca. 36 km/h schnell fliegt, also 6x schneller als der Dummy,  kann umgerechnet werden in welchem Abstand sich die Amsel befindet bis der Blitz auslöst. Wird am Meterstab ein Abstand von 16 cm angezeigt so ist die Amsel schon ca. 96 cm von der Lichtschranke entfernt. Das ist der Betrag welcher dann „vorgehalten“ werden muss. Ist der Abstand laut Meterstab 27 cm, ist die Amsel schon 176 cm von der Lichtschranke entfernt. Da wird ganz schnell ersichtlich wie wichtig eine minimale Verzögerungszeit ist. Das sind natürlich nur theoretische Werte die sich auf einen ungebremsten Durchflug in der Lichtschranke in der angenommenen Geschwindigkeit beziehen. In der Praxis ist es dann doch nicht ganz so extrem. Meiner Erfahrung nach ist es so, dass die Vögel vor einer Landung abbremsen und nicht mehr so schnell sind. Da reduzieren sich die Abstände etwas. Beim Abflug wird beschleunigt und da kann es unter Umständen nötig sein mehr „vorzuhalten“. Das kann man aber nur mit dem eigenen Equipment testen, da die Verzögerungszeiten für jede Kamera unterschiedlich sind.
Ein Eisvogel, der mit einer Geschwindigkeit von ca. 45 km/h fliegt, wäre bei Einstellung der Lichtschranke auf keep-active-modus 120 cm hinter der Lichtschranke, ohne keep-active-modus ca. 200 cm.

Die Testreihen mit den spiegellosen Kameras R5, R6 und RP finden Sie auf der nächsten Seite.

Kritik oder Anregungen? Bitte das Kontaktformular verwenden