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Blitzen auf zweiten Verschlussvorhang

Blitzen auf den zweiten Verschlussvorhang

Dieser Beitrag bezieht sich auf meine Arbeit mit den Kameras 50D, 7D, 7D Mark II von Canon. Doch im Prinzip sind andere Kameras relativ ähnlich in den Einstellungen.

Bei Aufnahmen von fliegenden Vögeln mit derKurzzeitblitztechnik gibt es Probleme, wenn das Umgebungslicht zu hell ist und auf die Belichtung Einfluss nimmt. Das wirkt sich dann so aus, dass es verwischte Flügel und Doppelbelichtungen gibt. Da es bei den meisten Kameras eine maximale Blitzsynchronisation von 1/250s gibt ist dies natürlich eine relativ lange Belichtungszeit zu der kurzen Blitzzeit von 1/10000s oder noch kürzer. Daher versuche ich möglichst nicht im grellen Sonnenlicht die Kurzzeitblitztechnik anzuwenden, sondern suche mir Motive im Halbschatten. Zudem verwende ich ab und zu Hintergrundbilder, wenn es die Location zulässt, um den Hintergrund in die Belichtung mit einzubeziehen und nicht absaufen zu lassen. (Zu dem Thema Vogelaufnahmen mit Hintergrundbild habe ich einen eigenen Beitrag in diesen Seiten).
Für meine Aufnahmen verwende ich Canon Blitzgeräte 540 EZ. Diese sind mit den Automatikfunktionen der digitalen Canon-Kameras nicht kompatibel. Über Funkauslöser werden die Blitze vom Sender auf der Kamera ausgelöst. Jeder Blitz hat dabei einen Empfänger und es ist kein Problem auch bei größeren Distanzen die Blitze synchron auszulösen. Der Vorteil dabei ist, dass es kein Kabelgewirr gibt. Bei kurzen Distanzen, oder wenn die Blitze unmittelbar an der Kamera sind verwende ich auch herkömmliche Blitzsynchronkabel.
Die Blitzauslösung erfolgt in der Regel auf den ersten Verschlussvorhang. Wenn kein Umgebungslicht auf die Belichtung einwirkt ist das auch kein Problem. Der Ablauf ist dann so, dass zuerst der Blitz mit extrem kurzer Blitzzeit kommt und danach der Verschluss mit der 1/250s abläuft. In dieser 1/250s legt der Vogel aber im Flug, je nach Geschwindigkeit, noch einige Millimeter oder Zentimeter zurück die bei zu hellem Umgebungslicht dann als Wischer zu sehen sind. Der Nachteil ist, dass die Wischer nach dem Blitz entstehen und so oft vor dem Vogel zu sehen sind. So sind die Konturen von Kopf oder Schnabel nicht sauber abgegrenzt. Auch am Körper und in den Flügeln gibt es dann unschöne Doppelbelichtungen.
Es gibt bei den meisten Kameras die Möglichkeit die Blitzsynchronisation auf den zweiten Verschlussvorhang einzustellen. Dabei ist der Ablauf dann so, dass zuerst der Verschluss mit der eingestellten 1/250s abläuft und erst am Ende der Belichtung der Blitz auslöst. Das hat den Vorteil, dass der Blitz nach der Bewegung, die der Vogel in der 1/250s zurücklegt kommt und somit die unscharfen Bereiche und Doppelkonturen nach dem Vogel zu sehen sind. Dabei sind dann Kopf und Schnabel  deutlich abgegrenzt.
Die Einstellung in der Kamera auf den zweiten Verschlussvorhang wirkt sich vor allem auf den internen Blitz aus. Bei Verwendung eines kompatiblen Systemblitzes, welcher auf den Blitzschuh gesteckt wird, ist die Funktion auch gewährleistet, allerdings muss am externen Blitz die Einstellung zweiter Verschlussvorhang ausgewählt werden. Nach einem Test mit den nicht kompatiblen Blitzen 540 EZ und Einstellung auf den zweiten Verschlussvorhang am 540 EZ, stellte ich fest, dass auch diese Blitze auf den zweiten Verschlussvorhang blitzen.
Wie bekomme ich nun die Synchronisation auf den zweiten Verschlussvorhang bei weiteren Blitzen hin, die mit Funk ausgelöst werden und keinerlei Verbindung mit der Kamera haben?
Die Lösung wären herkömmliche Servoblitzauslöser die an den externen Blitzen angeschlossen sind, doch bei Tageslicht und größeren Abständen war die Funktion nicht gewährleistet. Im Prinzip wollte ich die Funkauslösung verwenden. Ich baute mir vor den Blitz auf der Kamera einen Servoblitzauslöser, welcher den Sender des Funkauslösers auslöst und die anderen Blitze mit zündet. Es funktionierte, aber leider nur einmal und es verging einige Zeit bis der Servoauslöser für eine weitere Aufnahme bereit war. Der Grund ist, dass diese Servoblitzauslöser einen eingebauten Thyristor haben, der erst leer sein muss um wieder bereit zu sein. Das dauert mehr oder weniger lang. Eine Lösung fand ich in einem Sony-Forum für den Selbstbau eines Servoblitzauslösers ohne Thyristor, der dann auch bei schneller Serienbildfunktion ständig die externen Blitze auslöst. https://www.sonyuserforum.de/forum/showthread.php?t=68315
Allerdings baute ich diesen in ein externes Gehäuse, nicht in ein Blitzgerät ein. Doch die Zubehörliste und der Schaltplan waren eine große Hilfe. Mit etwas Geschick und Lötarbeiten ist der Auslöser schnell selbst gebaut.

Servoblitzauslöser Eigenbau, Deckel geöffnet. Mit Heißkleber ausgefüllt.

Servoblitzauslöser Eigenbau, Deckel geöffnet. Mit Heißkleber ausgefüllt.

Servoblitzauslöser Eigenbau. Fotodiode durch Plaxiglas geschützt.

 

 

 

 

 

 

Wie sieht das nun in der Praxis aus. Meine Arbeitsweise mit diesem Servoblitzauslöser ist so, dass dieser den Sender meiner Funkfernsteuerung auslöst und damit die  externen Blitze mit ausgelöst werden.
Dabei habe ich den Servoblitzauslöser mittels Klettband auf dem Systemblitz befestigt, da dieser auf den zweiten Verschlussvorhang eingestellt ist. Über einen Winkel reflektiert das Licht auf die Fotodiode und der Sender der Funkfernsteuerung wird angesteuert. Dieser löst synchron die weiteren Blitze aus. Natürlich kann die ganze Konstruktion auch mit Kabel durchgeführt werden. Das ist sogar unbedingt notwenidg wenn man bemerkt, dass die Blitze nicht synchron blitzen. Es sollten auch alle Blitze identisch sein.

Equipment für die Auslösung mit dem Servo-blitzauslöser

Schematische Darstellung der Anordnung der Geräte bei der Verwendung eines Servoblitzauslösers

 

 

 

 

 

 

 

Aufbau für Flugaufnahmen mit dem Fernauslöser und Kabelverbindungen statt Funk, bei Belichtung auf den zweiten Verschlussvorhang. Um alles kompakt zu halten wurden die Blitze mit einem Halter zusammen mit der Kamera montiert.

 

Beispielbilder

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Panoramablick im Tarnzelt

Um mit dem Tarnzelt sinnvoll anzusitzen sollten, zumindest bei Vögeln, die Schlitze durch die ein Vogel eine Bewegung sehen kann relativ dicht sein. Zudem sitzt man hinter dem Objektiv in einem gewissen Abstand zur vorderen Wand, so dass nur ein kleiner Ausschnitt der Landschaft zu sehen ist. Meistens sind Tarnzelte so ausgelegt, dass es schwer ist einen guten Überblick zu haben. Oft fehlen sogar seitliche Sichtfenster oder sind so niedrig dass man einen Krampf beim hinausschauen bekommt. Für mich ist es immens wichtig um mich herum das Geschehen mitzubekommen um darauf zu reagieren.
Um dieses Problem zu beheben habe ich mir auf eine Plexiglascheibe eine Spionfolie geklebt. Diese befestige ich, nachdem Kamera und Objektiv ausgerichtet wurden, oberhalb des Objektivs. Dazu verwende ich kleine Leimzwingen. Ausbaustufe wird so sein, dass die Scheibe mit Klettverschluss befestigt wird um diese beim zusammenfalten vom Tarnzelt vorher abzunehmen. Es ist momentan ein einfacher Prototyp um das ganze zu testen. Beim Eisvogel und bei Flugaufnahmen von Milanen habe ich es bis jetzt testen können und es ist schon eine angenehme Sichtweise ohne dass die Vögel etwas mitbekommen. Vor allem bei den Milanen, wenn sie im Sturzflug nach unten fliegen um blitzschnell die Beute zu greifen hat man die Vögel schon lange vorher im Visier und wird nicht überrascht wenn sie plötzlich auftauchen.

Tarnzelt mit Panoramascheibe im Einsatz beim Eisvogel
Tarnzelt mit Panoramascheibe im Einsatz beim Eisvogel
Von außen ist nur der Spiegel zu sehen.
Von außen ist nur der Spiegel zu sehen.
Tarnzelt mit Panoramascheibe im Einsatz beim Rotmilan
Panoramascheibe im Tarnzelt. Einfache Befestigung mit kleinen Leimzwingen
Tarnzelt mit Panoramascheibe im Tarnzelt und zwei verschiedene Objektive auf einem Stativ

In einem Beitrag habe ich beschrieben wie ich auf einem Stativ mit wenigen Mitteln einen Halter gebaut habe um zwei verschiedene Objektive zu verwenden.

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Rotmilane fotografieren 2020

Vor zwei Jahren gelangen mir schon einmal Bilder von Rotmilanen. Allerdings zu einer Zeit als die jungen Rotmilane schon ausgeflogen waren und dadurch eine größere Anzahl dieser schönen Greife unterwegs waren (Links zu meinen Rotmilanbildern und Beiträgen: Rotmilane auf der Schwäbischen Alb, Rotmilane in den Streuobstwiesen, Bildergalerie Rotmilan).
Da ich in der momentanen Corona-Krise meinen Radius eingeschränkt habe und vermeiden möchte größere Exkursionen zu unternehmen, bewege ich mich in einem Radius von 30 Kilometer um meinen Wohnort. Durch die abwechslungsreichen Lebensräume die rings um mich vorhanden sind bieten sich auch viele Möglichkeiten um interessante Beobachtungen und mit etwas Glück auch einige Bilder mit nach Hause zu bringen.
Ich kenne meine Gebiete durch viele Jahre Beobachtungen der heimischen Natur und weiß natürlich in welchem Gebiet es sich lohnt nach Rotmilanen zu schauen.
Da der Rotmilan kein Ansitzjäger wie der Mäusebussard ist, sondern als Suchflugjäger die Gebiete absucht, ist er sehr viel in der Luft unterwegs. Seine Beute besteht in der Regel aus Mäusen, Insekten und kleinen Kadavern die er im vorbeifliegen aufnimmt. Selten sieht man ihn an einem größeren Tier, welches eventuell durch den Verkehr ums Leben gekommen ist. Diese Eigenschaft, dass er aus dem Flug heraus seine Beute aufnimmt, kann man sich zu Nutze machen und in einem geeigneten Gebiet in dem der Milan einigmal am Tag drüber fliegt, kleine Hühnchenteile auszulegen und dann einfach abwarten. Im Laufe des Tages entdeckt der Rotmilan die angebotene Beute und es können dann eventuell Bilder von den anfliegenden und Beute aufnehmenden Greifen gemacht werden. Es lohnt sich also, mit etwas Glück, viele Stunden im Tarnzelt zu verharren.
Es ist schon einer Überlegung wert wo man so einen Platz einrichtet. Auf einer ebenen Wiese hat man durch die etwas erhöhte Sitzposition im Tarnzelt immer einen fotografischen Winkel nach unten. Auf den Boden liegen ist keine Option, da man dabei nicht so schnell auf die anfliegenden Vögel reagieren kann. Meiner Meinung nach ist eine leichte Hanglage ideal. Man sitzt etwas tiefer als die Stelle an der die Beute ausgelegt ist. Noch idealer ist eine Kante am höchsten Punkt über welche die Milane anfliegen.
Meiner Meinung nach ist ein weiterer Aspekt wichtig. Das Sichtfenster im Tarnzelt sollte so angelegt sein dass man einen sehr guten Überblick hat und die Vögel schon sehr früh sieht. Meistens schaut man durch irgendeinen Spalt der sich anbietet um die Umgebung zu beobachten. Dabei hat man unter Umständen nicht den nötigen Freiraum. Mit etwas Bastelei habe ich mir einen Panoramaüberblick in meinem Tarnzelt angelegt und kann seither die Aktivitäten meiner Motive wesentlich besser verfolgen. Dieses Thema habe ich in einem weiteren Beitrag bearbeitet.
in diesem Beitrag möchte ich darüber schreiben und Bilder zeigen wie sich meine diesjährige Rotmilansaison entwickelt.
Es gibt einige Naturfotografen die es ablehnen Tiere anzulocken um diese zu fotografieren. Andere fahren weite Strecken um bei Personen, welche Tiere anfüttern oder für fotografische Zwecke halten, die Gelegenheit zu bekommen tolle Bilder zu machen (für nicht wenig Geld und Nebenkosten). Dabei ist es, mit oft minimalem Aufwand, nicht schwer sich bestimmte Voraussetzungen selbst zu schaffen. Ich kenne Naturfotografen, die in aller Herren Länder bei Workshops die tollsten Bilder machen, aber mich manchmal fragen welchen Vogel sie da eigentlich fotografiert haben.

22.04.2020
Bei einem weiteren Ansitz an der Milan-Location konnte ich dieses mal einige Streitereien fotografieren. Es ist schon ein Erlebnis die eleganten Vögel bei ihren Flugmanövern zu beobachten. Als „Beifang“ sind Bussard, Turmfalke, Rabenkrähe und Goldammer auch willkommene Motive.
Ein dritter Ansitz war nicht erfolgreich. Mal sehen wenn die Milane flügge Junge haben und diese mit den Altvögeln mitfliegen, werde ich weitere Ansitze durchführen.

 

16.04.2020
Beim ersten Ansitz in diesem Jahr konnte ich in sieben Stunden sehr schöne Beobachtungen machen. Natürlich ist die Ausschussrate immens hoch, da die Milane mit großer Geschwindigkeit heranfliegen und die Beute im vorbeifliegen greifen. Doch unterm Strich bleibt das eine oder andere Bild übrig.

 

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